Freiheit für die Dirndlschleife

Kurz vor der Wiesn ist eine Diskussion zum Tragen der Dirndlschleife entbrannt. Wer die Schleife links trägt, ist solo, wer sie rechts trägt, ist vergeben. Ist es noch zeitgemäß, seinen Beziehungsstatus offen vor sich herzutragen? Unsere Gastautorin sagt: Nein. Und viele andere Frauen auch – wie die Umfrage unten zeigt.

Früher oder später kommt sie immer auf beim Dirndlkauf: Die Frage, wo die Schleife gebunden wird: Links, rechts, mittig, vorne oder gar hinten? Den Beziehungsstand soll man so – auf gar nicht mal so subtile Art und Weise – vermitteln können und sogar anzeigen, wenn der Gatte bereits verschieden und man selbst Witwe ist (Schleife hinten).

Als Frau in Tracht hat man hier schon so seine Erfahrungen gemacht, natürlich vor allem auf der Wiesn. So weit rechts kann man die Schleife gar nicht tragen, als dass nicht irgendein Bursche den Knoten als vermeintlichen Geheimcode interpretiert und als Einladung für einen Anbandlungsversuch.

„Wenn dann noch suggeriert wird, ich sei mit meinem Schleiferl links selbst an den Abbaggereien Schuld, dann langt es mir.“

Versteht mich nicht falsch: Volksfeste und insbesondere die Wiesn, das ist geselliges Beinandersein, die Vertiefung von bestehenden Freundschaften und das Kennenlernen von Menschen aus aller Welt. In meinem Freundeskreis habe ich viele Paare, deren Beziehungen auf der Wiesn ihren Anfang nahmen.

Alles nur eine urbane Legende?

Auf plumpe Anbaggereien aber kann ich verzichten – und wenn dann noch suggeriert wird, ich sei mit meinem Schleiferl links selbst daran Schuld, dann langt es mir. Immerhin leben wir im Jahr 2018!

Auf der anderen Seite wollen auch die (verheirateten) Rechtsträgerinnen wahrscheinlich nicht gleich abgestempelt werden als „vom Markt“ und einfach mal munter drauf los flirten.

Warum also zeigt man seinen vermeintlichen Familienstand auf eine solche Art und Weise? Ein kurzer Faktencheck:

Wohin gehört die Schleife? Was sagt der Brauch?

Im Heimat- und Volkstracht- Erhaltungsverein Miesbach ist die Einschätzung eindeutig: „Das ist ein Schmarrn!“ Für die Zurschaustellung des Familienstands durchs Schleiferl gibt es keinerlei historischen Vorbilder. Verheiratete Frauen waren grundsätzlich anders gekleidet als die ledigen und trugen zum Beispiel oft eine Haube – der Spruch „unter die Haube kommen“, der sinnbildlich fürs Heiraten steht, kommt genau daher. Und: Die Tracht wurde früher meistens hinten gebunden, damit vorne nichts stört.

„Muss denn eine jede Festivität zur Kontaktbörse verkommen, auf der es vor allem die Herren der Schöpfung möglichst einfach haben?“

So scheint die Sache mit der Schleife eine urbane Legende zu sein. Am Ende will man damit wohl eher den Ansprüchen des party- und paarungswütigen Jungvolks gerecht werden, das es schnell und direkt mag. Beide Seiten sparen ja immerhin viel Zeit und Mühe, wenn man auf den ersten Blick sieht, was Sache sein soll.

Aber muss denn eine jede Festivität zur Kontaktbörse verkommen, auf der es vor allem die Herren der Schöpfung möglichst einfach haben?

Freiheit für die Schleife!

Spätestens jetzt ist mir die Lust vergangen, an derlei Chichi teilzunehmen. Ich trage meine Schleife dort, wo sie wirklich hingehört: An der Stelle, die mir optisch am besten gefällt!

Befreit die Schleife von Geheimcodes und gebt ihr ihre eigentliche Bedeutung zurück: Als wichtigstes Accessoire zum Dirndl hält sie die Schürze am rechten Fleck und prägt die Gesamterscheinung maßgeblich mit.

Dirndlschleife Symbol Freiheit

Was denkst du? Deine Meinung ist gefragt!

Mich interessiert deine Meinung! Nimm an der Umfrage teil und schreibe in die Kommentare, wie du das Schleifen-Thema handhabst.

Links für Single, rechts für vergeben: Findest Du es gut, dass die Dirndlschleife Deinen Beziehungsstatus verrät?

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Hinweis der Redaktion: Gastbeiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen – so wie auch jeder Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen.

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